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Black Metal - Topoi des Bösen
Kiss of Death

Im zweiten Artikel der Reihe erweitert Simon Inselmann die grobe, im ersten Artikel gezeichnete Black Metal-Weltkarte und zoomt so nah wie möglich in die Köpfe der Mitglieder der erfolgreichen schwedischen Black Metal-Band Watain. Bei der genauen Betrachtung des Albums Lawless Darkness mag einem zwar teilweise das Lachen vergehen, doch das Bild gewinnt an Schärfe.

Von Simon Inselmann

Nach der grundlegenden Detektivarbeit der letzten Wochen sind unsere illustren Gäste im Einzelverhör heute die Schweden von Watain, die im letzten Jahr so sehr in der öffentlichen Aufmerksamkeit waren, dass auch wir sie nicht ignorieren wollen. Neben einem Eklat beim Schweizer Metalfest wegen verwesender Tierkadaver und Schweineblut, die Teil der Bühnenshow werden sollten, und einem Zusammenstoß zwischen Ordnern und Frontmann Erik »E.« Danielsson, der mit einem Polizeieinsatz endete, ist es vor allem das Album Lawless Darkness, das für Aufsehen gesorgt hat. So erzielte die Single-Auskopplung »Reaping Death« als Beilage des Sweden Rock Magazine Goldstatus und Watain gewannen 2011 den schwedischen Grammy in der Kategorie Hard Rock. Die seltsame Kombination aus betont extremem, auch ernsthaft gewaltbereitem Auftreten und kommerziellem Erfolg verdient eine genauere Betrachtung unsererseits und lässt uns bereitwillig in die lyrische Welt dieser gesetzlosen Dunkelheit schreiten.

Zum Projekt

Das Projekt »Black Metal – Topoi des Bösen« wird sich in mehreren Artikeln den verschiedenen lyrischen Konzepten im Musikgenre Black Metal nähern. Zum ersten, einführenden Artikel geht es hier.

 

Das Album


Lawless Darkness by Watain
1. Death’s Cold Dark
2. Malfeitor
3. Reaping Death
4. Four Thrones
5. Wolves Curse
6. Lawless Darkness (Instrumental)
7. Total Funeral
8. Hymn to Qayin
9. Kiss of Death
10. Waters of Ain
 
 
Man mag hinter dem Namen Watains die Huldigung einer religiösen Antagonisten-Figur vermuten, wie es von so vielen anderen Black Metal-Bands praktiziert wird (z.B. Marduk, Samael). Hier handelt es sich aber um eine Figur, die von der amerikanischen Band Von 1992 auf ihrer »Satanic Blood«-Demo erfunden wurde. Er erfüllt dabei im Lied »Watain« die Rolle des Opfermeisters, der dafür sorgt, dass Satan ausreichend Blut geweiht wird: »This unholy place is where the black sacrifices are performed. Here is where He kills: Watain!« Dieser direkte Satanismus-Bezug sollte in den Einzelanhörungen im Hinterkopf bleiben und auch den Titel des Albums, Lawless Darkness, ordnen wir in die im ersten Artikel angesprochene satanistische Philosophie der absoluten Selbstbestimmung und des Überdemgesetzstehens ein. Schon vor dem eigentlichen Verhör erwecken die ersten Notizen in unserem Heft den Verdacht, dass bei Watain religiöser und philosophischer Satanismus zusammenkommen. [Notiz: religiöser und philosophischer Satanismus]1

The blind man was given sight

Betrachtet man das Bekennerschreiben hinter dem ersten Instrumentalverbrechen auf Lawless Darkness fällt sofort der in Latein verfasste Beginn »De profundis mors advocat« ins Auge. Glauben die Täter vielleicht schon damit ihre Spuren zu verwischen, haben wir mithilfe alternativer Nachforschungsmethoden doch die Bedeutung entschlüsselt: »Aus den Tiefen ruft der Tod.« Hier steht also schon im ersten Satz des Liedes »Death’s Cold Dark« anstelle der Geburt der Tod und macht dadurch deutlich, mit welcher Grundhaltung wir an dieses Werk zu gehen haben. Der Gebrauch der lateinischen Sprache suggeriert Alter und Weisheit der folgenden Aussagen und soll ihnen zusätzliches Gewicht verleihen. Auch das irdische Leben wird bereits in der ersten Strophe in ein für das gesamte Album gültiges, hoffnungsloses und endzeitliches Bild gerückt, das allerdings in der deutlich umfangreicheren zweiten Strophe durch das Erkennen des »Antichrist, Devil’s Child« eine starke Veränderung erfährt. [Notiz: endzeitliche Wahrnehmung der Erde und Verehrung Satans]

Interessant ist hierbei die Aufnahme des biblischen Motivs der Heilung des Blinden: »the blind man was given sight«, um das geistige Erwachen mit Satan »as flame within the heart« zu beschreiben und dem bloßen körperlichen Sehen der christlichen Erzählung ein tieferes spirituelles Verstehen entgegenzusetzen. Der so Erwachte wird mehrfach als ein Einzelgänger in einer Masse beschrieben, der »far in solitude and silence« reist »through the guilt and vanity of a world deaf to its call«, wodurch ein elitärer Auserwählten-Topos eröffnet wird, der von den Delinquenten in späteren Aussagen noch verstärkt wird und sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. [Notiz: Elitarismus] Das letztendlich proklamierte Ziel ihres Handelns ist die Auflösung aller Gesetze und Ordnung. [Notiz: Chaos und Anarchie] Wie schon mit dem lateinischen Beginn werden auch mit der Anrufung der sumerischen Gottheit des Grundwassers »Apzu« und »ancient giants of primordial waters« unsere Fähigkeiten in der Altertumskunde auf die Probe gestellt und eine Atmosphäre erschaffen, die besonders weit in die Vergangenheit und damit weiter als der erklärte Feind Christentum reichen soll. [Notiz: Tradition der Opposition]

Die Rolle des Ichs kommt in der besonders eindringlich gesungenen dritten Strophe zum Ausdruck: »And I am their son, my ribcage the shrine, my flesh the prison – for my blood is their blood, my will is theirs«. Das Ich erfüllt die Rolle des Mediums, des Verkünders der Botschaft Satans. Wird Satan selbst als »wordless without form« beschrieben, so spricht er doch durch den Sänger: »Thou, who placed these words of praise upon my lips«. Das in der Bibel zur Ehrung Gottes gebräuchliche »thou« unterstützt noch einmal die Ebene des satanistischen Prophetenäquivalents, das uns hier gegenüber sitzen soll. [Notiz: Medium Satans]

Besonders die Positionierung von »Death’s Cold Dark« am Anfang des Albums lässt auch die folgenden Verhöraussagen als im biblischen Sinn inspiriert erscheinen. Wurde dort der Chaos- und Todesaspekt Satans gepriesen, so wird im zweiten Lied »Malfeitor« das Verzerrende, Verändernde, also das Chaos an sich besungen. Ist Malfeitor eigentlich ein allgemeiner Begriff für bösartige Wesen, wird dieser von Watain in den Namen eines explizit geformten Gottes gewandelt: »Malfeitor – in your possession I am – twilight god of transformation«, »thirteen horns and million tusks in a thousand jaws that breathe only to chew the chains that tie him to Assiah«. Assiah ist eine der vier geistigen Welten in der jüdischen Kabbala und markiert schon hier das Judentum neben dem Christentum als zweites Feindbild. [Notiz: anti-judeo-christlich]

Anders als im ersten Bekennerschreiben finden wir hier keine schlüssige Geschichte, sondern lose verknüpfte Bilder. Neben jenem Verzerrer, werden hier zum ersten Mal die Triebe und Gelüste des Menschen als Satans Wille bezeichnet und gleichermaßen verehrt: »Yes, I am of my father, the Devil and the lusts of my father I will do«. Welche Gelüste es hier sind, wird in den Zeilen »Now behold as I pervert and destroy their law – as the image of my phallus moists the labia of Shekinah«, in denen das Ich in der klassischen Rolle des diabolischen Verführers auftritt, mehr als deutlich. Die Sexualität, als einer der am meisten tabuisierten Bereiche im Christentum, wird ganz bewusst in verletzender, provozierender Weise in den personifizierten Heiligen Tempel Jerusalems verlegt und auch Maria wird mit der im Black Metal häufig gefundenen Bezeichnung »virgin whore« belegt.
[Notiz: Auslebung niederer Instinkte]

Rivers of blood

Das dritte und wahrscheinlich interessanteste Schreiben ist das hinter der Single »Reaping Death«. Die Textstruktur ist mit vielen Endreimen eingängiger und es gibt einen echten Refrain, der sogar während des Verhörs zum spontanen Mitsingen verleitet. Thema ist erneut die Anrufung Satans, allerdings überlagert von einem Selbstpreis seiner Anhänger. »Ye, who wear the mark and hold the keys« und »For aeons cursed, yet proud we stood« sprechen eine eindeutige Sprache der Erhabenheit der wenigen Menschen, die den Schlüssel zur Wahrheit des menschlichen Seins gefunden haben. »For aeons« betont dabei erneut die lange Tradition der Opposition und »Holy Evil! – By trembling hands concealed, yet by fearless ones revealed.« beschreibt den überlegenen Mut, den man dazu benötigt.

Der Refrain »Higher! Higher! Come all ye sons of fire, daughters of the black moon, practitioners of arts, most dire. Dance! Dance! Limbs twist in white eyed trance, let us praise the flowering darkness.« versetzt eben jene Auserwählte in eine ungewöhnlich fröhlich-wirkende psychedelische Gemeinschaft und ist in seiner disponierten Stellung im Song geschickt gewählt. Die Botschaft von dem, was während dieser Gemeinschaft passieren soll, ist nämlich deutlich kontroverser: »Rivers of blood! Rivers of blood! For the black earth’s quenchless thirst the offering must never cease until the last man has been slain upon the altar of Mephisto«. Und in diesem abgewandelten Refrain spannt sich der Bogen zurück zum Bandnamen Watain, denn hier tritt der Sänger selbst als der von Von besungene Opfermeister zu Ehren Satans auf. [Notiz: satanistischer Opferritus]

Die schon in »Malfeitor« herausgestellte Sexualmetaphorik spielt in »Reaping Death« als Mittel des Angriffs auf die bestehende Ordnung eine noch bedeutendere Rolle: »In anguish as we fuck the world and sodomize the god that failed«. Unter anderem an dieser Stelle wird deutlich, dass Watain keineswegs Anhänger eines philosophisch-atheistischen Satanismus sind, sondern auch die Existenz einer guten Macht voraussetzen. Diese wird als schwacher Versager gebrandmarkt, während Watain sich seinem starken Gegner, dem Bösen, zuwenden.

Nach diesem doch sehr ergiebigen Manifest erscheint uns das folgende »Four Thrones« geradezu banal, betont es doch ein weiteres Mal die Vielfältigkeit der Opposition und ist mit der Aufzählung der vier Höllenfürsten Leviathan, Lucifer, Beelzebub und Belial fast vollständig zusammengefasst. Allerdings wird durch die zweite Erwähnung Apzus, sowie mit dem Verweis auf den griechischen Prometheus (»bringer of forbidden fire«) und dem Wunsch »let our praise reach out to all corners of the earth« ein weltweiter Schlachtengesang skandiert, der erstaunlicherweise zum »redeeming wing of final judgement, the greatest war to bring the deepest peace« führen soll und damit das biblische Motiv einer Endschlacht zwischen den Scharen Gottes und des Teufels aufnimmt. Es ist klar, dass hier die Scharen des Teufels siegen sollen, aber bleibt der Wunsch nach »deepest peace« als eine der wenigen von einer satanistischen Ideologie abweichenden Aussagen doch beachtenswert. [Notiz: mythologie-übergreifender Universalsatanismus, Wunsch nach Frieden]

Only the cursed ones

Haben sich die Angeklagten bis hierhin hauptsächlich mit göttlichen Erscheinungen des Bösen und deren Verehrung auseinandergesetzt, betrachten sie in »Wolves Curse« ihre eigenen Motive. Der Auserwählten-Topos wird in Zeilen wie »Only the cursed ones, the wild at heart«, »predators and punishers, fearless yet feared« wieder aufgenommen. Die Auserwählten stehen auch hier über Moral und Gesetz und sind »Hungry now for the kill«. Aufgrund dieser Aussagen muss das gewöhnlich negativ konnotierte »curse« hier als Segen verstanden werden. Das einige Male wiederholte »Beware« ist als Drohung direkt an »ye whores of god« gerichtet. Eine höchst simple Botschaft wird vermittelt: Sie sind die Jäger, Christen und Juden die Gejagten. »Watain – Kerberos are We!« ist zwar ein weiterer Verweis zur griechischen Mythologie, öffnet allerdings keine neue Bedeutungsebene, sondern symbolisiert, dass sich die drei Musiker hinter Watain als eine Einheit verstehen und so auch im Verhör auftreten. [Notiz: Einigkeit der Musiker, Wille zu töten]

Die folgenden Anhörungen von »Total Funeral« und »Hymn to Qayin« verlaufen relativ ereignislos, da sie auf lyrischer Ebene blass bleiben. Erst beweihräuchern sie ihre eigene Bosheit und dann preisen sie Kain als ersten in der Linie der Gegner Gottes, wie auch schon in einer Strophe in »Reaping Death«. [Notiz: Verehrung Kains] Beide Texte bedienen sich ausgiebig biblischer Motivik, sei es die Hure Babylon, die Schlange im Paradies oder die verbotene Frucht, haben aber außer der Umkehr des Bösen zum Verehrten keine besondere Bildkraft oder bemerkenswerte Aussage.

Kiss of Death

Das an vorletzter Stelle platzierte »Kiss of Death« zeigt Watain von einer ungewohnt verletzlichen Seite und sticht deutlich aus dem restlichen Material heraus. Während vorher in endlosen Tiraden gedroht, verurteilt und die eigene Stärke gepriesen wurde, scheuen sie sich jetzt nicht, die Schattenseite dieser Medaille zu thematisieren. Die selbstgewählte Isolation wird nicht mehr als Thron dargestellt, sondern tatsächlich als Einsamkeit wahrgenommen: »Though manmade, of terrestrial birth, I’ve always walked upon this earth a stranger searching the unknown for that distant place that is my home«. Die aus der Einsamkeit geborene Sehnsucht wird auf das Reich des Todes projeziert, wobei auch Watain die Vorstellung eines ewigen Lebens nach dem Tod kennen: »to tread inside your timeless hallways«. [Notiz: Existenz des Jenseits] Doch neben diesen zerbrechlichen Momenten werden Tod, Teufel und das mutige Annehmen des Sterbens glorifiziert und ein vollständiger Bruch mit der Grundstimmung des Albums wird vermieden.

Die Anhörung von »Waters of Ain« verlangt mit seinen 14 Minuten und einer Erzählung epischen Ausmaßes noch einmal unsere volle Aufmerksamkeit. Erste Probleme stellen sich schon bei der Bedeutung Ains. So gibt es zwar einen französischen Fluss mit dem Namen, allerdings sind keine Mythen oder Sagen bekannt, die eine Verwendung in dieser Richtung rechtfertigen würden. Bleibt also ein kleiner Küstenort in der Bibel, der ebenfalls keine große Bedeutung trägt und damit höchstens als Inspiration zur Namensgebung hergehalten haben könnte. Völlige Verwirrung setzt bei der Zeile »Transylvania calls« ein und wir lösen uns von jedem Verortungsversuch in einer Realität oder Mythologie. Dass es sich bei den besungenen Wassern nicht um einen styxhaften Fluss handelt, wird schon bei dem zu Beginn des Liedes eingespielten Meeresrauschen deutlich und findet seine Bestätigung im Refrain: »Where no corners define, to the waters of Ain. Where no circles confine, to the waters of Ain, to the twilight of time, to the Death«. Das Segeln auf diesen endlosen Wassern symbolisiert vielmehr die Suche nach Wahrheit im irdischen Leben, die erst im Tod die Erfüllung finden kann: »The shoreline where truth shall unwind, a truth that in life I am doomed to search, but shall die to find«. Die gesuchten Wahrheiten werden mit Zeilen wie »to pluck the fruits forbidden« in das satanistische Konzept der Band eingefügt und auch der Suchende wird dem Selbstverständnis entsprechend erhaben und zur Wahrheit auserkoren dargestellt: »Anointed am I, exalted on a course to man averse«.

Dass der Sterbende beim Eintritt ins Totenreich vom römischen Saturn gerichtet wird, überrascht uns ob des schon in »Four Thrones« gezeigten universalen Satanismus-Verständnisses nicht mehr. Die letzte Strophe des Liedes wird von einem neuen Sprecher übernommen, der aus der Beobachterperspektive spricht und die letzte Fahrt des Ichs schildert: »And so he sets his sail towards the setting sun at the end of the world«. Das Album wird mit den letzten beiden Liedern stark auf den Tod und die Hoffnung einer besseren Welt im Jenseits fixiert und findet so einen erstaunlich persönlichen und wenig aggressiven Abschluss, der auch den lyrischen Bogen zum ersten Satz des Albums »De profundis mors advocat« gekonnt schließt.
[Notiz: Todessehnsucht und Wahrheitssuche]

Verhaftung

Nach dieser Beweisführung ist für uns eindeutig belegt, dass wir in Watain auch 2012 noch eine Black Metal-Band finden, die sich voll und ganz satanistischen Ansichten verschrieben hat und diese in ihren Texten auch zum Ausdruck bringt. Wir finden die Betonung des absoluten Individualismus bei gleichzeitigem Dienst im Namen Satans, wir finden ein erkenntnisbegründetes Überlegenheitsgefühl und Verachtung gegenüber Anhängern eines schwachen Gottes. Geäußert wird diese Verachtung hauptsächlich in der Zurschaustellung von Gewalt und Sexualität, den sogenannten niederen Instinkten des Menschen, die von Watain aber als seine wahre Natur bezeichnet werden. All diese Elemente führen zu einer gewollten Isolation, die zwar als edel, aber keineswegs angenehm wahrgenommen wird. Dies wiederum erklärt die Projektion der erfüllten Wünsche auf ein Totenreich, ganz ähnlich dem Paradies des erklärten Feindbilds Christentum.

Neben diesen typisch satanistischen Sichtweisen, die Watain sogar konsequenter vertreten als die norwegischen Black-Metal-Ikonen der 90er Jahre, gibt es mit dem alle Mythologien und Religionen umfassenden, und damit nicht rein biblischen, Satansbild und der starken Betonung einer satanistischen Tradition, mit Kain als omnipräsentem Vorbild, auch besondere Eigenheiten.

Die letzten Zweifel, ob eine Band mit solchen Ansichten sich, mit kommerziellem Erfolg und gesellschaftlicher Anerkennung konfrontiert, überhaupt ernstnimmt, kann mithilfe folgender Interviewausschnitte eindeutig bejaht werden und soll einen abschließenden Eindruck der Gedankenwelt Watains liefern:

Ich glaube, »Fan« ist das falsche Wort in diesem Zusammenhang. Klar, ich bin mir sicher, dass es einige Leute gibt, die denken, dass wir eine coole, obskure Band sind oder einfach nur die Musik genießen, ohne einen tieferen Gedanken daran zu verschwenden. Aber ein echter Fan oder »Supporter« ist jemand, der versteht, was wir tun, einen Bezug zu den Texten hat und die tiefere Bedeutung dahinter versteht. »Fan« ist eine degradierende Bezeichnung für solche Menschen. […]2

No matter how awkward it feels to be a part of the materialistic record business, and even more so being rewarded by its filthy capitalistic measures, we will still accept this award with a poisoned smile. The same smile with which we have kissed your sons and daughters with »Reaping Death«. We see this disc of gold as a trophy, a trophy of a successful hunt for their souls.3

  1. Notizbuch zu Lawless Darkness
    – religiöser und philosophischer Satanismus
    – endzeitliche Wahrnehmung der Erde und Verehrung Satans
    – Elitarismus
    – Chaos und Anarchie
    – Tradition der Opposition
    – Medium Satans
    – anti-judeo-christlich
    – Auslebung niederer Instinkte
    – satanistischer Opferritus
    – mythologie-übergreifender Universalsatanismus, Wunsch nach Frieden
    – Einigkeit der Musiker, Wille zu töten
    – Existenz des Jenseits
    – Verehrung Kains
    – Todessehnsucht und Wahrheitssuche
  2. http://powermetal.de/content/artikel/show-WATAIN__Interview_mit_Eric__Worph__H__Jonsson,5515.html
  3. http://www.roadrunnerrecords.com/blabbermouth.net/news.aspx?mode=Article&newsitemID=139398


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 Veröffentlicht am 13. Februar 2012
 Kategorie: Misc.
 Foto von Vincent Lichtenberg via wikimedia commons.
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Kommentare
 Kain Morgenmeer
 7. Januar 2014, 13:19 Uhr

Hallo,
ich habe ein paar Gedanken zu dem Lied Waters of Ain, die ich teilem möchte und die vielleicht für den einen oder anderen von Interesse sein könnten.

Zunächst: Sehr interessanter Artikel, trifft den Kern ganz gut. Schön, dass die Analyse fast wertfrei und objektiv daherkommt.

Zum Lied:

Ajin oder Ayn (עין) ist der sechzehnte Buchstabe im Hebräischen Alphabet.
Das hebräische Ajin hat den gleichen historischen Hintergrund wie das phönizische Ajin, das ursprünglich die bildliche Darstellung eines Auges mit einem Punkt in der Mitte war, es wird aber auch als Bezeichnung für eine natürliche Quelle gebraucht.

Außerdem ist Ain nach kabbalistischer Auffassung das absolute nichts oder negative Existenz und etwas, das nicht beschrieben oder begriffen werden kann = Gott. (auch “es” als “etwas” zu beschreiben ist bereits falsch)
Denn etwas perfektes, allwissendes, allmächtiges etc., kann keine menschlichen Eigenschaften haben, keine beschreibbaren Merkmale.
(“To unmask the featureless face and know its numbing beauty”)

Aus “Ain” sind “Ain Soph” (die grenzenlose Expansion) und “Ain Soph Aur” (das grenzenlose Licht) hervorgekommen, sodass “Ain” als „Quelle“ verstanden werden könnte.

Saturn ist nach esoterischer Lehre der “Hüter der Schwelle“ zur Welt kosmischen Bewusstseins.

Der Protagonist in dem Lied lässt somit sein ego hinter sich (“The self withdrawn”) um letztlich Einheit mit Gott (oder eher dem woran Watain glauben – hier hilft eine ausführliche Beschäftigung mit den Lehren des „Temples of the Black Light“, dem Watain nahe stehen) zu erlangen, womit aber nicht der christlich/jüdische Gott gemeint ist (der Demiurg, der sich selbst für Gott hält, aber selbst auch nur von einem höheren „etwas“ geschaffen wurde) sondern vermutlich das Urchaos.

Vermutlich trifft auch diese Deutung den Nagel nicht ganz auf den Kopf, aber sie geht in die richtige Richtung.

Letztlich werden nur die drei von Watain die genaue Bedeutung kennen.

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