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Litlog-Sommerkolumne
Auf die Plätze

Mit dem Spielen aufzuhören war eine der dümmsten Ideen, die man als Jugendliche*r hatte. Es wird Zeit, wieder anzufangen – mit diesen drei Spielvorschlägen, die ungelenken Erwachsenen den Sommer retten.

Von Freya Morisse

Jeder neue Sommer muss sich an den Sommern der eigenen Kindheit messen, und natürlich können alle kommenden Sommer bei diesem Vergleich nur verlieren. Kein Tag wird wieder sein wie der, als man das neue Schulzeugnis in die Ecke pfefferte, an den See fuhr und wusste, dass man sechs endlose Ferienwochen vor sich hatte. Sechs Wochen Zeit zum Spielen. Irgendwann kam dann der Sommer, in dem man zum letzten Mal gespielt hat, ohne dass man um dieses Ende wusste, und das ist wohl eins der

Reihe

Sommerferien sind nichts fürs Feuilleton. Falls unsere Autor*innen dieser Tage überhaupt im Freien verweilen sollten, dann nur zum Zweck der Recherche. Für unsere neue Kolumne nämlich, die den studentischen Sommer unter die Lupe nimmt. Alle Artikel in Übersicht gibt’s hier.

 
 
tragischsten Ereignisse, die im Leben passieren. Etwa zeitgleich hat man aufgehört, in den Schulpausen zu rennen. Stattdessen ging man betont gemächlich, den Rucksack in den Kniekehlen und die Fluppe im Mund. Damals glaubte man, unglaublich erwachsen zu sein, weil man das Spielen eingestellt hatte und die ›Kinder‹ genervt beiseiteschob. Inzwischen weiß man, dass es eine der dümmsten Ideen überhaupt war, mit dem Spielen aufzuhören. Deshalb rät dieser Text dringend dazu, das leichtsinnige Spielen wieder einzuüben, um es nicht endgültig zu verlernen. Alle Ungelenken und Verkopften sind hiermit aufgefordert, mal wieder ein nichtzweckgerichtetes Bewegungsspiel auszuprobieren. Es empfiehlt sich, in einer lauen Abendstunde unter freiem Himmel zwischen Mückenschwärmen mit einem der folgenden Vorschläge zu beginnen.

1. Prellball

Prellball ist ein zu Unrecht vernachlässigtes Ballspiel, das aus dem Turnen entstanden ist. Obwohl Prellball-Turniere bis hin zur Bundesebene ausgetragen werden, scheint diese Disziplin in der breiten Bevölkerung entweder nicht sehr bekannt oder nicht sehr beliebt zu sein. Dabei ist Prellball viel weniger aufwendig als Volleyball oder Handball und kann im Sommer draußen improvisiert und ohne großen Ehrgeiz gespielt werden. Man braucht bloß mindestens eine*n Mitspieler*in, eine Bank und einen Ball. Wenn man unbedingt ein Regelwerk befolgen will, kann man mit Kreide das Spielfeld begrenzen und die Punkte zählen. Mit der Faust oder der flachen Hand prellt man den Ball über die Bank ins Feld der Gegner*innen. Je höher die Bank und je weniger Luft im Ball, desto größer die Herausforderung. Das Outdoor-Setting sorgt für zusätzlichen Nervenkitzel. Wenn man den unberechenbaren Ball in Brombeerhecken, in Gräben oder auf benachbarten Grundstücken suchen muss, beginnt eine andere Sorte Spiel.

2. Kluvstockspringen

Das Kluvstockspringen war ursprünglich kein Spiel, sondern Mittel zum Zweck. Wenn an regenreichen Tagen die unbefestigten Wege nicht mehr passierbar waren, nutzten Jäger und Bauern einen Stab aus Leichtholz mit einer Stütze, dem Kluv, um die Gräben zu überwinden. Mittlerweile trägt das Dorf Mulsum an der Nordsee ›Weltmeisterschaften‹ im Kluvstockspringen aus – bisher ohne überregionale Resonanz und Beteiligung. Dabei lässt sich diese alte Tradition vielerorts improvisiert fortführen. Man kann eine Harke oder Schaufel benutzen und sich für den Anfang einen schmalen Bach, Fluss oder Graben suchen. Das Kluvstockspringen funktioniert ähnlich wie der Stabhochsprung, aber laut Regelwerk ist es verboten, Anlauf zu nehmen. Man platziert sein Hilfsmittel im Wasser und versucht aus dem Stand, sich über das Gewässer zu manövrieren. Im Sommer verspricht dies ein erfrischendes Erlebnis.

3. Dreibeinlauf

Der Dreibeinlauf erfreut sich nicht grundlos seit dem Mittelalter großer Beliebtheit. Das Prinzip ist so simpel wie genial, denn es versinnbildlicht so manches zwischenmenschliche Dilemma. Zwei nebeneinanderstehende Teilnehmende opfern die Eigenständigkeit ihrer benachbarten Beine, indem sie diese mit einem Seil oder einer Schnur zusammenbinden. Mehrere solcher dreibeiniger Wesen laufen auf diese ungewohnte Weise um die Wette und irgendeinem Zielpunkt entgegen. Immer wieder sieht man dann, wie übereifrige Spielende sich und ihre Partner*innen zu Fall bringen. Aber auch für geübtere Teams bietet dieses Spiel Herausforderungen und Konfliktpotenzial, denn es gibt zahlreiche Variationen auszuprobieren: Der Dreibeinlauf lässt sich etwa mit dem Sackhüpfen, dem Eierlauf oder dem Luftballonlauf kombinieren. Er kann zum Hindernislauf und zum Staffellauf ausgebaut werden. Man kann eine beliebige Zahl an Spieler*innen zu einer Kette zusammenbinden. Im Grunde kann man jedes Spiel, auch das Prellballspiel und das Kluvstockspringen, dreibeinig durchführen. In all seinen Variationen birgt dieses Spiel viel tragikomisches Potenzial.

Alle drei Spiele sollten mindestens ein Mal pro Monat ausgiebig gespielt werden, so lange, wie das Wetter es erlaubt. Im Fall eines überdurchschnittlich großen Spielbedürfnisses können diese drei Disziplinen als Triathlon durchgeführt werden. Die wohltuende Wirkung ist nicht zu unterschätzen.



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 Veröffentlicht am 2. September 2019
 Kategorie: Misc.
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