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Übersetzung im Selbstversuch
Derbe Komik

Incazzato auf Deutsch? Shandra Konzoks Teilübersetzung der Kurzgeschichte Fuori Servizio besticht durch den Versuch, die derbkomische Sprache des Autors Gabriele Aprea ins Deutsche zu übertragen. Auf allzu bildhafte Entsprechungen will sie dabei verzichten. Italienisch – Deutsch die Zweite für Found In Translation.

Fuori servizio (pagine 7-9)zur Übersetzung

A volte mi impogono di scendere a piedi e di riuscire a non coinvolgere la mia psiche in quello che è solo un esercizio fisico. Ma non ci riesco, e al settimo piano comincio già a rimuginare e a pensare. Il fatto è che scendo troppo lentamente. Dovrei correre, ma non voglio sforzare le coronarie. E allora non mi resta che pensare e andare poi a fare analisi dal mio medico, che è anche un amico ormai. Si chiama Giulio ed è un neuropsichiatra infantile. Non mi fraintendete, io ho trentaquattro anni e Giulio non è un neuropsichiatra infantile nel senso che è specializzato per i bambini. La verità è che Giulio gioca con i soldati, si addormenta solo se la moglie gli racconta favole dei fratelli Grimm e ha paura del buio. Ma a parte questo è un ottimo medico. Ha capito subito qual è il mio problema.

»Ti mancano i desideri« ha sentenziato »devi trovare nuovi stimoli. Anche nella vita sentimentale. Sopratutto nella vita sentimentale«.

Non so se avrò il coraggio di dirlo a Sandra, la mia ragazza. Sandra è veramente in gamba. Colta, premurosa, presente, affettuosa. Sì, Sandra è davvero unica. È anche l’unica ragazza della mia vita. Beh, in verità, un’altra storia l’ho avuta. Ed è nata proprio qui, in questo condominio. È successo quando avevo sedici anni e molto testosterone. Si chiama così, ma allora non lo sapevo. Correvo e mi guardavano intorno. Andavo e tornavo. Pensavo poco, e tutto era consumato in fretta, come un cappuccino al bar. Sarà stato per il testosterone che inseguivo Rita, la ragazzina del settimo piano: tonda, bionda, con gli occhi verdi e la minigonna. La inseguivo per le scale e, sopratutto, l’aspettavo nell’ascensore. E l’incontro fu, un giorno di maggio, alle tredici e quaranta, quando lei tornava da scuola. Entrammo soli nella cabina. »Finalmente ci sei riuscito« disse lei, che scema non era. E sorrise.

Infilai cinquanta lire nella gettoniera e l’ascensore partì. Al primo piano la guardai negli occhi. Al secondo le carezzai i capelli. Al terzo lei chiuse gli occhi. Al quarto la bacai. Al quinto lei dischiuse le labbra. Al sesto la mioa mano si infilò sotto la sua gonna. Al settimo quel maledetto ascensore si fermò, le porte automatiche si aprirono e fuori c’era suo padre che aspettava l’ascensore, ed era già incazzato per fatti suoi, perché la moglie chiamava il tecnico della caldaia a gas tre volte a settimana, quando lui non c’era, e per due mesi era andata avanti quella storia, poi lui si era accorto che, non solo aveva speso un milione e ottocentoventimila lire di assistenza caldaia, ma che la scaldabagno era elettrico. Le urla si erano sentite in tutto il condominio. Insomma il padre di Rita era già incazzato di suo, quando ci vide avvinghiati nella cabina dell’ascensore. »Ma che fate?«.

Io provai a spiegargli che la figlia soffriva di claustrofobia e che stavo praticando la respirazione bocca a bocca. Solo che non avevo fatto in tempo a togliere la mano da sotto la gonna.

»E quella?« mi chiese lei truce, guardando la mano. Che poi non si vedeva la mano, ma si capiva lo stesso dove era finita.
»Cercavo una moneta per far ripartire l’ascensore, perciò le ho messo la mano in tasca«.
»Quella non è una tasca« urlò.
»È quello che dico anch’io, queste minigonne senza tasche sono un vero problema. Non sai mai dove mettere gli spiccioli«.
Insomma, rimediammo un ceffone a testa ed io dovetti pure salire a piedi l’ultimo piano, perché l’ascensore serviva a lui.

Außer Betrieb (Seite 7-9)zum Original

Manchmal zwinge ich mich zu Fuß runter zu laufen und es zu schaffen, nicht meine Psyche in etwas einzubeziehen, was eigentlich nur ein körperliches Workout ist. Aber ich schaffe es nicht, und im siebten Stock fange ich schon an zu grübeln und nachzudenken. Der Grund ist, dass ich zu langsam runtergehe. Ich müsste rennen, aber ich will meine Hauptschlagader nicht überfordern. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als nachzudenken und dann zu meinem Arzt zur Therapie zu gehen, zu dem sich inzwischen eine Freundschaft entwickelt hat. Er heißt Giulio und ist ein infantiler Neuropsychoanalytiker. Versteht mich nicht falsch, ich bin vierunddreißig Jahre alt und Giulio ist kein Neuropsychoanalytiker, der auf Kinder spezialisiert ist. Die Wahrheit ist, dass Giulio mit Soldaten spielt, nur dann einschläft wenn seine Frau ihm Brüder Grimm Märchen erzählt und Angst im Dunkeln hat. Aber ganz abgesehen davon ist er ein hervorragender Arzt. Er hat sofort verstanden, was mein Problem ist.

»Dir fehlen Wünsche« hat er diagnostiziert »du musst neue Anregungen finden. Auch im Liebesleben. Vor allem im Liebesleben!«.

Ich weiß nicht, ob ich den Mut haben werde, das meiner Freundin Sandra zu sagen. Sandra ist echt taff 1. Gebildet, fürsorglich, präsent, liebevoll. Ja, Sandra ist echt einzigartig! Sie ist die einzige Freundin, die ich je hatte. Na gut 2, in Wahrheit hatte ich noch eine andere Geschichte. Und sie ist hat hier angefangen, in diesem Haus. Es passierte als ich sechzehn Jahre alt und voller Testosteron war. Das nennt sich so, auch wenn ich das damals noch nicht wusste. Ich rannte und schaute um mich herum. Ich ging und kam wieder. Ich dachte wenig und alles wurde in Schnellzeit konsumiert, wie ein Cappuccino in der Bar. Es wird wohl wegen des Testosterons gewesen sein, dass ich Rita verfolgte, das Mädel 3 aus dem siebten Stock: kurvig, blond, mit grünen Augen und Minirock. Ich bin ihr auf den Treppen hinterhergelaufen und habe vor allem oft im Fahrstuhl auf sie gewartet. Und das Treffen war dann an einem Tag im Mai um dreizehn Uhr vierzig, als sie von der Schule kam. Wir waren alleine in der Aufzugskabine. »Endlich hast du es geschafft«, sagte sie; dumm war sie nicht! Und lächelte.

Ich steckte fünfzig Lire in den Fahrstuhlautomaten und der Aufzug fuhr los. Im ersten Stock schaute ich ihr in die Augen. Im zweiten streichelte ich ihr das Haar. Im dritten schloss sie die Augen. Im vierten küsste ich sie. Im fünften öffnete sie ihre Lippen. Im sechsten führte ich meine Hand unter ihren Rock. Im siebten hielt dieser verdammte Fahrstuhl an, die elektrischen Türen öffneten sich und draußen stand ihr Vater, der auf den Aufzug wartete. Er war sowieso schon angepisst4, weil seine Frau, wenn er nicht da war, den Gasheizungstechniker drei Mal pro Woche angerufen hatte- und diese Geschichte ging seit zwei Monaten-, dann stellte er fest, dass er nicht nur eine Million und achthundertzwanzigtausend Lire für die Kundenbetreuung ausgegeben hatte, sondern dass er noch nicht mal eine Gasheizung besaß: Sie heizten mit Heizöl. Die Schreie hörte man im ganzen Haus. Somit war der Vater von Rita schon gut angepisst, als er uns eng umschlungen in der Fahrstuhlkabine sah. »Was zum Teufel macht ihr da?«

Ich versuchte ihm zu erklären, dass seine Tochter an Klaustrophobie litt und dass ich die Mund-zu-Mund-Beatmung an ihr vornahm. Nur doof, dass ich es nicht mehr geschafft hatte die Hand unter dem Rock wegzunehmen. »Und die da?« fragte er mich finster, als er meine Hand sah. Und man sah die Hand noch nicht mal, aber man verstand trotzdem, wohin sie führte. »Ich habe eine Münze gesucht, um den Aufzug wieder zu starten, deswegen habe ich ihr die Hand in die Tasche gesteckt«.
»Das ist keine Tasche« schrie er. »Das sage ich ja auch immer, dass diese Miniröcke ohne Taschen ein wirkliches Problem sind. Man weiß nie, wo man das Kleingeld hinstecken soll«. Also erhielten wir eine große Ohrfeige pro Kopf und ich musste sogar noch zu Fuß in den letzten Stock hochlaufen, weil er den Aufzug brauchte.

Derbsprachliche Entsprechungen

Shandra Konzok ist mit ihrem Vulgärlatein noch nicht am Ende


Es ist eine besondere Herausforderung, dem sehr umgangssprachlichen Schreibstil Gabriele Apreas treu zu bleiben und den italienischen Humor ins Deutsche zu übertragen. Doch genau darin liegt auch das Spannende und Reizvolle. Oft müssen andere Ausdrücke im Deutschen verwendet werden, um die Anspielungen des Autors sichtbar zu machen. Gleichzeitig muss auch ein passender Ausdruck im Deutschen gefunden werden.

F.I.T.

Found In Translation ist Name und Programm der von Admira Poçi initiierten Übersetzungsreihe auf LitLog. Verfasst werden Erstübersetzungen fremdsprachiger Autoren ins Deutsche, ergänzt durch textorientierte Überlegungen zur Übersetzungstheorie und sprachlichen (Un)Überwindbarkeiten. Grenzerfahrungsinteressierte melden sich über info@litlog.de

 

Kurs

Der Workshop »Literarisches Übersetzen: Italienisch-Deutsch« wird seit dem Sommerssemester 2012 an der Georg-August-Universität Göttingen unter der Leitung von Dr. Corinna Ott als Übung angeboten. Der Kurs hat sich im letzten Semester mit der Übersetzbarkeit von Humor im Allgemeinen und von Wortspielen im Speziellen beschäftigt. Die Schwierigkeiten wurden beim Übersetzen der humoristischen Kurzgeschichte Fuori Servizio des neapolitanischen Autors Gabriele Aprea (erschienen 2006 bei Centoautori, Villaricca/Neapel) deutlich gemacht.

 

G. A.

Der Neapolitaner Gabriele Aprea, Autor tragikomischer Kurzgeschichten, gewann mit seiner Erzählung Il mio psicoanalista si è suicidato (zu deutsch Mein Psychoanalytiker hat sich umgebracht) den Preis der Gesellschaft für Humorkultur »Movimento Comico« und war 2006 einer der Finalisten für die Auszeichnung mit dem »Premio Massimo Troisi«. Auf seinem Blog führt er eine »ernste Konversation über den Humor oder, alternativ, eine humoristische Konversation über ernste Dinge«.

 

S. K.

Die Übersetzerin Shandra Konzok lernte schon in der Schule eineinhalb Jahre Italienisch und ging nach ihrem Schulabschluss 2011 für vier Monate nach Italien. Das Land, die Sprache und die Kultur begeisterten sie und so traf sie den Entschluss, Italianistik an der Georg-August Universität Göttingen zu studieren. In dem Workshop »Literarisches Übersetzen« verfasste sie diese Teilübersetzung von Fuori Servizio.

 
 

Sicherlich kann dabei nicht immer jedes Wortspiel oder jede Metapher in seiner ganzen bildlichen und humorvollen Fülle ins Deutsche transportiert werden, doch lassen sich fast immer sehr ähnliche Ausdrücke im Deutschen finden. Ein Beispiel wäre das italienische Verb incazzare (ital. cazzo = vulgärer Ausdruck für Penis), das so nicht ins Deutsche übersetzt werden kann. Ich habe in meiner Übersetzung versucht, immer dem Stil des Autors treu zu bleiben und mich damit für das Verb anpissen entschlossen. Hier sieht man sehr deutlich, dass man als Übersetzerin viele Freiräume und kreative Möglichkeiten hat.

Manchmal habe ich mich auch für eine nicht so enge Übersetzung entschieden. Bei der Berufsbezeichnung neuropsichiatra wurde beispielsweise nicht die wörtliche Übersetzung Neuropsychiater verwendet, sondern Neuropsychoanalytiker, da es nach meinen Gefühl öfter verwendet wird. Ich wollte damit unter anderem verhindern, dass der Leser über das Wort stolpert.

Insgesamt wollte ich also einen möglichst homogenen deutschen Text verfassen, der in sich schlüssig ist, aber auch dem Schreibstil und dem Ton des Autors des Originaltextes treu bleibt.

  1. In gamba kann man nicht direkt ins Deutsche übersetzten, da es sich hier um einen typischen umgangssprachlichen italienischen Ausdruck handelt. Das Adjektiv taff wurde hier verwendet, um dem modernen und umgangssprachlichen Ton des Autors treu zu bleiben.
  2. Der typisch italienische Ausdruck beh, der keine direkte Übersetzung ins Deutsche findet, wurde hier mit na gut übertragen.
  3. Die Verniedlichung ragazzina wurde als Mädel übersetzt, da es so keine direkte Verniedlichung von Mädchen im Deutschen gibt. Außerdem bleibt man mit der Bezeichnung Mädel im sehr lockeren Schreibstil des Autors.
  4. Incazzato ist ein sehr umgangssprachlicher Ausdruck, den man nicht eins zu eins übersetzen kann. Um dem Stil des Autors treu zu bleiben, wurde hier angepisst verwendet.


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 Autor*in:
 Veröffentlicht am 9. August 2013
 Kategorie: Misc.
 Idee: Lynn van Leewen
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